Franklin Pezzuti Dyer


Der Deutschkurs an der Universität Chicago

Can't read German? Here is an English translation of this post.

Neulich bin ich aus einem siebenwöchigen Deutschkurs an der Universität Chicago zurückgekommen. Weil der Kurs so sehr beschleunigt war und ich die meiste Zeit allein studieren musste, erkannte ich einige interessante Begriffe wegen des Spracherwerbs und der Sprachlerntechniken, die mir sogar mit dem Spanischlernen helfen können. Ferner merkte ich die interessanten grammatikalischen und etymologischen Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Englisch, Spanisch und Deutsch. Dieser Blogeintrag verfolgt den Zweck, diese Begriffe zu erklären und meine Zukunftspläne mit der deutschen Sprache zusammenzufassen.

Während des Deutschkurses musste ich eine Menge von Vokabeln behalten. Die täglichen Hausaufgaben schlossen nur 20 bis 30 neue Wörter ein, aber nachdem ich all die neuen Wörter geschrieben hatte, die ich in der Stunde hörte, sammelte ich ungefähr 90 bis 100 neue Wörter jeden Wochentag. Ich nutzte eine Technik, die “verteilte Wiederholung” heißt (“spaced repetition” auf English) und bei der man jedes Wort auf eine Karte schreibt und jede Karte wird fällig nach einer gewissen Dauer. Wenn man sich mit den fälligen Karten ausfragt, erhöht oder erniedrigt man die nächste Dauer von jeder Karte je nachdem, ob man das Wort auf der Karte gewusst oder vergessen hat. Weil ich so viele Vokabeln so schnell behalten musste, nutzte ich verteilte Wiederholung mit untypisch kurzen Dauern.

Im Verlauf des Kurses nutzte ich ein paar Methoden, die mir halfen, die Vokabeln zu memorieren. Wenn ich eine kurze Pause (5-10 Minuten) machte, konnte ich danach irgendwie müheloser an die schwierigen Wörter erinnern. Jedoch war die Auswirkung des Schlafes auf meine Erinnerung sogar überraschender als die Auswirkung der Pausen. Wenn ich kurz vor der Schlafenszeit die Vokabeln übte, konnte ich mir am nächsten Morgen sehr viel mehr ins Gedächtnis rufen. Daher fing ich an, meine Vokabeln regelmäßig am Ende des Tages zu lernen, sodass ich die Wörter am nächsten Morgen wunderbar wusste. Zufällig lese ich gerade ein Buch über die Neurowissenschaft des Schlafens („Why we Sleep“ von Matthew Walker), das dieses Phänomen erklärt.

Eine andere Methode, die ich nutzte, die Grammatik zu üben, war, immer wieder die Sätze auf Deutsch zu formulieren und zu wiederholen, die mir auf Englisch einfielen. Zum Beispiel übersetzte ich meine Gedanken unterwegs zum Unterricht, der Mensa oder zum Studentenwohnheim und sagte sie laut auf. Vielleicht trieben meine Selbstgespräche die Passanten um, aber sie waren sehr gute Übungen.

Leider waren die Übungen im Lehrbuch (Kontakte, 8te Edition) nicht so nützlich. Darin gab es viele Lückentexte und falsche Unterhaltungen, die viel Lesen und nicht so viel spontanes Sprechen erforderten. Außerdem war das Buch schlecht geordnet. Aus irgendeinem Grund lagen die Grammatik und Vokabeln von jedem Kapitel am Ende trotz der Aktivitäten überall im Kapitel, die die neuen grammatischen Begriffe und Wörter einschlossen. Ferner waren die Vokabeln oft wenig nützlich und beliebig. Viele spezifische und nutzlose Wörter kamen früh im Buch vor, aber viele wichtige Wörter fehlten vollends.

Jetzt, wo ich drei Sprachen (Englisch, Spanisch und Deutsch) studiert habe, bemerke ich viele interessante Eigenschaften, die in zwei der Sprachen vorkommen und in der dritten fehlen. Zum Beispiel haben die Zeitwörter auf Englisch und Deutsch kein Futur ohne Hilfsverb („ich werde etwas machen“ auf Deutsch und „I‘m going to do something“ oder „I will do something“ auf Englisch), aber auf Spanisch hat jedes Zeitwort eine eigene Konjugation des Futurs. Auf Englisch und Spanisch ist die Wortfolge nicht so wichtig und man nutzt viele Kommas, aber dem ist nicht so auf Deutsch. Zuletzt haben Spanisch und Deutsch Pronomen in der zweiten Person Plural („vosotros“ und „ihr“) und Höflichkeitsformen („Usted“ und „Sie“), aber Englisch hat keine solchen grammatischen Objekte. Auch interessant ist die Aussprache des Buchstaben „R“ auf Englisch, Spanisch und Deutsch. Auf Englisch muss man kein R rollen, auf Spanisch muss man mit der Zunge das R rollen und auf Deutsch muss man mit der Gurgel das R rollen.

Drei Sprachen zu sprechen hat mich ansonsten verwirrt. Zum Beispiel schrieb ich „sch“ anstelle von „sh“ und schrieb die Substantive oft auf Englisch groß während der sieben Wochen, weil ich das so viel auf Deutsch gemacht hatte. Auch hinderte das Deutsche mein Spanisch ein bisschen. Oft als ich ein Wort auf Spanisch zu denken versuchte, fiel mir kein spanisches Wort ein, sondern das deutsche Wort.

Ich würde sagen, dass es sehr lohnend war, den Deutschkurs zu belegen. Jetzt, wo ich gerade genug Deutsch weiß, um zu lesen und schreiben (unter Zuhilfenahme eines Wörterbuchs), will ich weiterhin Deutsch üben. Ich lese gerade ein sonderbares Buch mit dem Titel „Das Parfum“ (noch mal, unter Zuhilfenahme eines Wörterbuchs), das mir ein Freund empfahl, und natürlich werde ich andere Blogeinträge auf Deutsch schreiben.

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