Franklin Pezzuti Dyer

Home     Posts     Resources     CV     Contact

Table of Contents

  1. Bongards Probleme
  2. Die Traum- und Einschlafensbeobachtung
  3. Sinnestäuschungen, Trugschlüsse, und Paradoxe

Spiele zur subjektiven Untersuchung des Gehirns

Mir ist das menschliche Gehirn erstaunlich. Insbesondere sind die Rätsel des Bewusstseins und der Herkunft der subjektiven Qualia frustrierend unergründlich und sogar bin ich versucht, zu vermuten, daß es nicht möglich sei, diese Probleme zu lösen. Trotzdem gefällt es mir, durch Bücher und Vorträge die Psychologie, die Neurowissenschaft und die Gesitesphilosophie zu studieren, um meine Neugier ein wenig zu befriedigen. Einige meiner Lieblingsbücher über diese Themen sind

Obwohl wissenschaftliche Erforschung viele erleuchtende Einblicke in den menschlichen Verstand übermitteln kann, haben unsere wissenschaftliche Messinstrumente noch keinen Zugang zum subjektiven Erlebnisinhalt. Doch jeder Mensch hat Zugang dazu! Deshalb finde ich es lohnend, mit meinem eigenen Gehirn ein paar Spielereien und Experimenten zu unternehmen, die nicht genau wissenschaftlich sind. Denken Sie darüber so: man kann Automechaniker werden und die Struktur des Autos in- und auswendig kennen, aber durch keine theoretische oder formelle Studien kann man ein solches Verständnis des Autos erhalten, als beim Autofahren.

Deshalb möchte ich in diesem Blogeintrag einige (unwissenschaftliche aber dennoch interestante) Spiele und Aktivitäten beschreiben, die ich genutzt habe, um mit meinem Gehirn herumzuspielen.

Bongards Probleme

Ein „Bongard Problem“ ist eine Art von Rätsel, die aus zwölf kleinen Bildern besteht, die in zwei Gruppen eingeteilt sind, etwa so:

Fig 1

In jedem Rätsel sind die Bilder auf der linken Seite und die auf der rechten Seite ungleich mit Bezug auf eine bestimmte Eigenschaft. Um das Rätsel zu Lösen, muß man bestimmen, welche Eigenschaft die zwei Gruppen von Bildern unterschiedet. Das obige Rätsel ist ganz einfach: linkerseits gibt es Dreiecke und rechtenseits Vierecke.

Viele Rätsel sind ähnlich leicht. Da unten sind ein paar andere Beispiele:

Fig 2

Fig 3

Fig 4

In der Tat sind diese Rätsel nicht für Menschen beabsichtigt, sondern Maschinen. M. M. Bongard, ein russischer Informatiker, anfertigte 100 solche Rätsel in einem Buch über die Mustererkennung als eine Herausforderung für die künstliche Intelligenz und Douglas Hofstadter hat sie in seinem Buch Gödel, Escher, Bach popularisiert. Das Interessante dieser Rätsel ist der Umstand, daß die meisten Menschen können sie mühelos Lösen, aber es ist zwar schwer, ein Computerprogramm zu entwickeln, die solche Muster identifizieren können. Der Kognitionswissenschaftler Harry Foundalis hat diese Aufgabe in seiner Dissertation versucht. (Ich habe es noch nicht völlig gelesen, weil es ziemlich lange ist, doch das will ich gern!) Auch hat Foundalis eine Menge von Rätseln, die von verschiedenen Leuten erschaffen sind, auf dieser Internetseite gesammelt.

Auch wenn man kein erfahrener Kognitionswissenschaftler oder Informatiker ist, kann man diese Rätsel genießen. Sie sind nicht alle so einfach und tatsächlich sind einige recht schwierig: versuchen Sie mal diese von Hofstadter erschaffenen Rätsel:

Fig 5

Fig 6

Meines Erachtens sind eben die einfache Rätsel interessant, weil sie man die Bausteine der geometrischen Intuition entdecken helfen. Auch sind sie ein Medium, mit dem man diese Bausteine bestimmen kann, außerhalb sprachlichen Grenzen. Zum Beispiel, die erste zehn Bongard Probleme übermitteln die folgenden Begriffe:

Wenn diese die Grundbegriffe unseres Sehsinns sind, welche sind die Grundbegriffe des Hörsinns? Des Tatsinns? Des Geruchssinns oder des Geschmackssinns? Gibt es Grundbegriffe die sie alle miteinanderteilen? Versuchen Sie, Ihre Sinnesempfindungen zu dekonstruieren.

Probieren Sie mal einige Rätsel aufs Geratewohl und Versuchen sie nicht nur, die Probleme zu lösen, sondern auch Ihren eigenen seelischen problemlösenden Vorgang zu beobachten. Warum sind manche Rätsel schwerer als andere?

Die Traum- und Einschlafensbeobachtung

Die sonderbare Bilder, die uns beim Träumen auftauchen, aufzeigen nicht nur die bizarre Natur unserer Vorstellungsverknüpfungen, sondern auch die Tatsache, daß man das eigene Gehirn nicht völlig unter (bewusste) Kontrolle hat. Leider kann es schwer sein, den Trauminhalt auszuwerten, weil man nach dem Erwachsen oft vergisst, was im Traum geschehen ist. Um um die Einschränkungen des Gedächtnises herumzukommen, empfehle ich die folgende zwei Aktivitäten:

Ich habe beide versucht, doch das zweite gefällt mir besser, weil es ziemlich überraschend ist, Kontrolle über die eigene Gedanken zu verlieren, während man noch wach ist. Man könnte behaupten, daß man “Kontrolle” über seine Gedanken sowieso nie besitzt, auch wann man hellwach ist. In der Wahrheit ist der Unterschied die unzusammenhängende Natur der Vorstellungen im Vergleich zum üblichen aufeinanderfolgenden Gedankengang.

Meine Erfahrung passierte etwa so:

Wahrscheinlich werde ich nie verstehen, warum diese komische Wörter und Bilder mir aufgetauchen sind (und was zum Kuckuck „Nimmler“ bedeutet). Trotzdem war es sehr interessant einen Blick zu erhaschen, was in der Hinterbühne meines Gehirns passiert.

Sinnestäuschungen, Trugschlüsse, und Paradoxe

Die Mathematiker, Wissenschaftler, Philosophen und besonders Wirtschaftler sind oft versucht, den Mensch als ein Vernunftwesen zu betrachten. Nichts aber könnte der Wahrheit ferner sein. Hier werde ich nur ein paar Sinnestäuschungen und Trugschlüsse beschreiben, doch Kahneman hat viele Fehler und bewusstlose Neigungen des menschlichen Gehirns im Buch Thinking, Fast and Slow aufgelistet.

Viele Augen- und akustische Täuschungen aufzeigen, daß wir nie direkten bewussten Zugang zu unbearbeiteten Sinnesdaten haben. Mein Lieblingsbeispiel ist der blinde Fleck unserer Augen. Aufgrund der Stellung des Sehnervs hat jeder Mensch einen blinden Fleck im Gesichtsfeld, durch dem wir nichts sehen können, aber wir wahrnehmen diesen Fleck gar nicht, weil unsere Gehirn ihn mit erfundenen Sinnesdaten verschleiert. Glauben Sie mir nicht? Versuchen Sie diesen Beweis selbst.

Andere Beispiele von Beweise, daß unsere Gehirn unsere Sinnesdaten abändert, bevor wir es wirklich wahrnehmen können:

Selbstverständlich gibt es eine Menge anderer Beispiele, aber ich glaube, daß diese Liste genügen soll, um mein Argument anzubringen.

Jetzt bedenken wir Phänomene, die die Vernunft anstatt der Sinnesempfindung betrügen. Erinnern Sie diese (schon klischeehafte) Paradoxon?

„Dieser Satz ist falsch.“

Die Hauptfiguren vieler kitschigen Sci-Fi-Filme haben das Lügner-Paradox genützt, um einem bösen Roboter den Kopf explodieren zu machen. Aber mal im Ernst, was bedeutet es, daß wir eine solche Unvereinbarkeit im Gehirn halten können, ohne mit der Wimper zu zucken? Zwar ist dieses Paradox ein bisschen dumm und nicht zu lösen, aber da unten ist eine Liste von anderen logischen und mathematischen Paradoxen und Trugschlüssen, die komplizierter und interessanter sind. Lesen Sie mal ein paar davon und versuchen Sie auszurechnen, wo genau den Irrtum liegt, und warum sie so kontraintuitiv sind. Was deutet es über unseren Denkprozess an, daß sie es schaffen, uns anfangs zu betrügen? Können sie die logischen „Grundbegriffe“ identifizieren, die diesen Paradoxen betreffen, wie mit den Bongard Problemen?

back to home page